| Unter weißblauen und abendschweren Himmeln strecken sich Landschaften, wie sie nur im Bild vorkommen können. Grüne üppige, von türkis schimmernden Seen durchzogene Fabelwelten umwuchern ruinenhafte, teilweise auch vom Meer umtoste Architekturen. Raketenabschussrampen, Kriegsschiffe und U-Boote stören diese bisweilen nächtlich-magisch aufgeladenen Idyllen, ungeachtet ihrer martialischen Bedeutung, interessanterweise nicht. Wie ein großer, gestrandeter Wal liegt das fleckige U-Boot in den Untiefen eines spiegelnden Gewässers, eher Teil der Landschaft als ihr Gegenpart. Und auch die Rakete an ihrer Abschussrampe wirkt fossil versteinert: Ein skulpturales Symbol eines Geschosses, das nie mehr fliegen wird. Peter Dukas nahezu immer extrem querformatige, panoramatische Landschaftsbilder spielen mit Paradoxien, Rätseln und unauflösbaren Geheimnissen. Sie verteidigen das Bild als Ort einer substanziellen ästhetischen Erfahrung. Einer Erfahrung, die sich nicht umrechnen lässt in das Soll und Haben pragmatischer Realkalkulation, die vielmehr unberechenbar und ihrem Wesen nach utopisch bleiben muss. |
|
Im Kern ist dies natürlich ein romantisches Projekt, also eines, das von Seh(n)süchten und einem sich nie erfüllenden Begehren spricht. Die Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts fungieren dabei insoweit als Fundament für die Arbeit, als sich an ihnen eine heiße Konjunktion zwischen Bild und Wirklichkeit nachweisen lässt. Schließlich waren damalige Landschafts- und Gartengestaltungen ebenso von den Bildern beeinflusst, die für sie entworfen wurden, wie sie andererseits oft selbst nach der Idee eines Bildes gestaltet waren. Anders gesagt: Wie nirgendwo sonst wird hier die große uralte Sehnsucht des Bildes erfüllt, Vorbild für eine Welt zu sein, die sich selbst im Modus des Bildes entwirft. Peter Duka hat diesen Zusammenhang, gemeinsam mit seiner langjährigen Partnerin Caroline Bittermann, in dem 1995 begonnenen Projekt „Die Dritte Kammer“ bearbeitet und in den großangelegten „geheimen Gärten Rolandswerth“ für das ARP MUSEUM Bahnhof Rolandseck Wirklichkeit werden lassen. Als „begehbares Bild“ ist dieser Garten der ideale Ort geworden, um die Wirksamkeit der Bilder und die Bildhaftigkeit der Wirklichkeit zu überprüfen. |
|
Immer aber arbeitet in dieser Malerei dabei eine komplexe Metaphorik, der es darum geht, Ideen und Begriffe als plastische Gebilde zu entwerfen, die, ungeachtet ihrer vermeintlichen Fassbarkeit, opak und undurchdringlich bleiben. Der stets fragmentarisch und brüchig bleibende Kompositcharakter der Ruinenarchitektur verweist nicht nur auf das Gemachte, Konstruierte, Künstliche, das diese Szenarien auszeichnet. Durch die immer wieder neue Zusammenstellung gleicher oder ähnlicher Architekturelemente zu surreal anmutenden Hybridgebäuden wird vielmehr auch deutlich, in welchem Maß Dukas Architekturen im eigentlichen Sinne Ideengebäude sind: Texturen, deren Horizont von den bröckelnden Resten einer gescheiterten Moderne bis zu Novalis reicht und in dessen Behauptung aus seinem „Allgemeinem Brouillon“ von 1789, wonach „die vollendete Speculation zur Natur“ zurückführt, seine Erfüllung findet. Über all dem schweben, auch sie plastisch eingefroren, orangerot leuchtende barocke Schriftbänder, allerdings völlig ohne Text. Das ist nur konsequent. Denn die Bilder selbst sind der Text, der nur, indem er unlesbar bleibt, seine imaginative Kraft entfalten kann. |